Betrachte es als Theaterstück
Es ist die Zeit zwischen den Feiertagen, Richard und seine Frau fühlen sich müde, aber sie haben ihre Freunde schon sehr lang nicht mehr gesehen. Also warum nicht mal wieder gemeinsam Essen gehen, in eines der guten Restaurants die sie alle vier zu Fuss erreichen können!
Sie treffen sich mittags dort, geniessen das Essen und sprechen über alles was im Leben der beiden Ehepaare gerade los ist. Sie nehmen sich Zeit, trinken einen feinen Wein und es gibt sogar noch ein Dessert mit einem Kaffee danach. Was sie anschliessend machen, haben sie nicht besprochen. Aber da alle vier Zeit haben, wird entschieden, noch zu den Freunden nach Hause zu laufen.
Richard tut der Spaziergang gut. Bei den Freunden angekommen, wird natürlich noch eine Flasche Wein geöffnet und das Gespräch geht weiter - über die Lage in der Welt und in den jeweiligen Familien. Man hört sich gegenseitig zu und als Richard bemerkt, dass er anfängt müde zu werden, hat er die Eingabe, das Ganze als Theaterstück zu betrachten!
Er redet nicht mehr viel, hört zu und beobachtet die Reaktionen seines Freundes, dessen Frau und seiner eigenen Ehepartnerin.
Seine Müdigkeit verschwindet. Niemand bemerkt wirklich, dass Richard sich nicht mehr aktiv beteiligt, sondern nur noch ein Zuschauer ist. Und er stellt fest: wenn er etwas sagt, bringt es die anderen zum Lachen. Sein Abstand ist jetzt so gross, dass er in der Lage ist humorvolle Bemerkungen zu machen - eigentlich betrachtet er alles aus einer anderen Perspektive.
Als es Abend wird, hat Richard vor, nach Hause zu gehen, weil er sich etwas von ADAMUS live anhören möchte. Doch plötzlich wird ihm bewusst was dann passieren würde: Seine Frau wäre sauer und sein Freund enttäuscht! Und dann kommt dessen Ehefrau auch noch auf die Idee Kleinigkeiten zum Essen aufzutischen, sie fängt gerade damit an, während Richard noch darüber nachdenkt, wie er erklären soll, dass er jetzt gehen will.
Und da ist noch diese ‘Zuschauerposition’ die er die ganze Zeit eingenommen hat. Sie ist angenehm. Interessant…
Also entscheidet sich Richard im «Theater» zu bleiben und den restlichen Abend als Zuschauer zu geniessen, mit ein wenig Käse, Brot und ganz wenig Wein – einfach, um es zu geniessen. Sein Körper reagiert noch nicht einmal wie sonst. Selbst darauf scheint die Zuschauerposition eine andere Wirkung zu haben, als wenn er sich hineinziehen lässt, in die Themen, Meinungen und Ansichten!
Alles ist stimmig. Auch wenn es schliesslich sehr spät wird – egal. Man sieht sich ja nicht so oft…!