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Es kommt zu dir …

Klara hört Tobias vor vielen Jahren eine Art von Imagination beschreiben: Man fährt mit dem Fahrrad, und die Landschaft kommt von vorne auf einen zu. Sie erinnert sich noch sehr gut daran, weil sie anschließend mehrere Tage versucht, es sich genauso vorzustellen, auch wenn sie selbst mit dem Fahrrad fährt. Aber es gelingt ihr nie so richtig.

Es gibt manchmal schon Situationen, die sich von selbst klären, oder Wünsche, die einfach unausgesprochen wahr werden, weil Klara etwas in den Sinn kommt. Aber es geschieht nicht so häufig, wie sie es sich gewünscht hätte.

Und als Klara dieses Jahr bei einem Spaziergang stürzt und danach fast nichts mehr tun kann, hätte sie sich in einen Zustand von Selbstmitleid und Frust begeben können. Aber das geschieht nicht, weil sie sich bewusst ist, dass sie es sich nicht zufällig kreiert hat. Stattdessen entwickelt sich nun tatsächlich das: «Es kommt zu mir!»

Zum Beispiel kommt jemand unangemeldet zu Besuch, oder jemand ruft an, und es wird ein längeres Telefongespräch, wenn es Klara eigentlich gerade langweilig ist. Oder es gibt ein besonders feines Mittagessen, wenn sie selbst keine Idee hat. Oder wenn sie draußen sitzt, kommt ein seltener Vogel auf die Wiese, den ihre Anwesenheit nicht stört … und so kann sie ihn lange beobachten. «Es kommt zu mir» kann Klara nun endlich täglich erfahren, ohne dass sie sich damit auseinandersetzen muss.

Zeit spielt in diesem Zustand natürlich keine Rolle mehr, außer Klara hat einen Termin: ärztliche Kontrolle, Physiotherapie oder Ergotherapie. Ansonsten verschwindet das Bedürfnis, nachzusehen, wie spät es ist. Wenn sie auf ihr Handy oder auf die Zeitanzeige vom Backofen oder Computer schaut, sieht Klara mindestens zwei- bis dreimal am Tag die Zahl 44. Das ist laut Adamus die derzeitige Energiezahl. Früher war es die 11, dann die 22 … und jetzt ist es die Zahl 44. Also ist Klara natürlich fasziniert, wie oft sie die Zahl täglich wahrnehmen darf, ohne den Wunsch geäußert zu haben.

Klara wird bewusst, dass «Es kommt zu mir» nichts ist, was sie machen kann. Es ist auch nichts, was sie sich einreden muss. Es geschieht eher dann, wenn sie aufhört, danach zu greifen. Manchmal sitzt sie einfach da, mit ihrem Kaffee, mit ihrem Gips, mit ihrer Schiene, mit diesem Körper, der langsamer geworden ist. Und während sie nichts Besonderes erwartet, kommt etwas.

Ein Mensch.
Ein Anruf.
Ein Gedanke.
Ein Vogel.
Ein stiller Moment, der nichts von ihr verlangt. Dann lächelt Klara. Nicht, weil sie alles versteht. Nicht, weil sie etwas erreicht hat, sondern weil sie bemerkt: Sie muss der ‘Landschaft’ nicht mehr hinterherfahren. Sie kommt tatsächlich zu ihr.

 

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